Der Weg des geringsten Widerstandes
Jeder, der sich noch an seine Schulzeit erinnern kann, kennt die Überlegungen. Und jetzt sind wir mal ehrlich, wer halst sich schon freiwillig mehr Arbeit auf, wenn es auch einfacher geht, leichter, bequemer. Denkt man.
Halbwahrheiten und Klischees haben zumindest in französischen Schulen mit diesen Überlegungen dazu geführt, dass Deutsch als Fremdsprache ein Nischendasein fristen muss, fernab der aufregenden Welt des Spanisch- oder Italienischunterrichts.
Zu schwer, zu hart sei Deutsch, und was könne man schon damit anfangen, lauten oftmals die Ausreden der Schüler. Spanisch, ja Spanisch, das kann ich sogar in Südamerika sprechen. Nebenbei sei der Zweifel erlaubt, ob mehr als fünf Prozent jemals südamerikanischen Boden betreten werden. Nun gut. Was gibt es noch für Spanisch und gegen Deutsch vorzubringen: Natürlich, die Fiesta, der Sangria, Flamenco und natürlich Sommer, Sonne, Strand.
Einwände der Verteidigung? Zwecklos, denn wem wird schon Gehör geschenkt bei Argumenten wie, dass Deutsch die meistgesuchte Fremdsprache in französischen Stellenanzeigen ist, Deutschland der wichtigste Nachbar, das zweite Element im europäischen Zweitaktmotor und die größte Wirtschaftskraft in Europa? Natürlich ist jeder, der 13jährigen Jugendlichen mit Argumenten wie diesen kommt, verrückt, wenn er glaubt so auch nur ein Schäfchen auf seine Seite zu ziehen. Was beeinflusst also die Wahl des Schülers?
1. Der Lehrer
Jeder französische Schüler kennt ihn, den Deutschlehrer. Streng, aufgeräumt, versessen auf Grammatik, sozusagen eine Kulturinstitution. Die deutsche Sprache ist für ihn die Sprache der Elite und dass nur wenige sie erlernen, ist im Voraus zu erwarten. Natürlich gibt es Verbesserungen, doch vor allem Vertreter der alten Schule haben Frankreichs Schüler das Fürchten gelernt, zum Nachteil der deutschen Sprache und somit einer ganzen Kulturbeziehung.
2. Die Eltern
Was als ablehnende Haltung, und noch schlimmer, als Desinteresse der Schüler daherkommt, ist oftmals Einstellung der Eltern und somit die der Kinder. Entscheidet sich eine kinderreiche Familie für die Fremdsprache Deutsch, treffen meist alle Kinder die selbe Wahl. Auch eine feindselige Einstellung wird oft am elterlichen Esstisch erzeugt, genauso wie das Desinteresse, was schlichtweg das der Eltern ist. Die Entscheidung der Schüler spiegelt also nicht nur die Haltung der Jugendlichen gegenüber Deutsch und somit Deutschland wider, sondern gleichzeitig die eines Großteils der Bevölkerung. Interventionen, wie es zum Beispiel die neun DeutschMobile in Frankreich machen, müssen also gleichzeitig die Eltern erreichen.
3. Deutschland selbst
Wo der Deutschlehrer und die eigenen Eltern fehlen, springt leider auch viel zu selten Deutschland selbst ein. 60 Jahre nach Kriegsende kann nicht mehr von den Schatten der Vergangenheit gesprochen werden. Viele Schüler haben kein schlechtes Bild von Deutschland, sondern schlichtweg überhaupt keines. Auch in den Medien wird selten von “outre-Rhin” berichtet. Jedoch hält Deutschland selbst auch nichts gegen das Desinteresse der Franzosen. Initiativen gibt es zwar zahlreiche, doch in den Köpfen der Bevölkerung bleibt leider selten etwas hängen. Einzig alleine die Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr rückte zumindest für vier Wochen das Land in das Zentrum des nationalen Interesses. Doch nötig wäre weit mehr.
Das Konglomerat aus Lehrer, Eltern und fehlender Präsenz von Deutschland selbst, das sich viel zu oft unter Wert verkauft, bewegen nur wenige dazu Deutsch zu lernen. Die entscheidenden Partner in Europa, dessen Entwicklung von vielen als entscheidend für das Kräftegleichgewicht in der Welt gesehen wird, sind sich an der Basis fremd. Die Rechnung wird noch zu bezahlen sein.

21. November 2006 19:45 Uhr
freut mich, dass trotz Herbst das Franzosenkraut weiterwächst!
Liebe Grüsse aus dem Calvados
D.